Die heimischen Orchideen in Thüringen

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Jens Gießler
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Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 18.11.2018 17:29

Hallo Ihr Lieben Fotofreunde!!
Vielen dürfte ja bekannt sein, das mein Interessengebiet weit über das von Eisenbahn und Bienen hinaus geht. Ich hatte vor paar Jahren schon mal was über Orchideen rund um Trusetal gepostet und so war einer meiner größten Wünsche mal an einer geführten Orchideenwanderung teilzunehmen. Und so ergab es sich durch Zufall, das ich durch einen Hinweis im Radio auf die geführten Wanderungen im Leutratal bei Jena aufmersam wurde. Und so haben Susanna und ich nach ein paar Recherchen im Internet am 5. Mai diesen Jahres Nägel mit Köpfen gemacht und sind nach Jena gefahren. Voller Erwartung ging dann die Wanderung mit einigen Gleichgesinnten in Richtung alte Autobahn dann los.

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In wenigen Jahren wird man nur noch vermuten können, wo einst tausende von Autos täglich lang fuhren.

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Schon wenige Meter weiter trafen wir dann auf die ersten Orchideen, dazu später dann mehr. Ich möchte meine Dokumentation aber mit der wohl bekanntesten heimischen Orchidee beginnen, dem Frauenschuh (Cypripedium calceolus).
Und so wurde meine Geduld während der Wanderung doch ziemlich auf die Probe gestellt, denn das Leutratal beheimatet zwar viele Orchideen, darunter natürlch auch den Frauenschuh. Aber nur in ganz wenigen Exemplaren und auch fast am Ende der Wanderung. Doch dann war es endlich so weit. Mein erster Frauenschuh in der freien Wildbahn........ :jubel: :jubel: :jubel:

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Glücklich aber auch etwas traurig zu gleich traute ich mich dann die beiden Führer vom NABU zu fragen, ob es denn auch Standorte mit mehr Exemplaren gibt. Und ich bekam den Hinweis auf ein Seitental im Ortsteil Nennsdorf bei Jena. Und da wir ja schon fast dort waren, haben wir die Stelle dann auch nach etwas Suchen gefunden. Ich hatte fast Tränen in den Augen, als ich die vielen Exemplare sah. Leider waren die Blütenstände dort in ihrer Entwicklung noch nicht ganz so weit wie im warmen Leutratal.
Aber nach etwas suchen konnte ich in geschützten und sonnigen Lagen die ersten blühenden Exemplare finden.
An dieser Stelle auch von mir noch mal der Hinweis, da es sich grundsätzlich um Naturschutzgebiete handelt, ist es natürlich selbstverständlich sich dementsprechend auch zu benehmen und dazu gehört selbstverständlich auch die wege nicht zu verlassen, nichts zu zertrampeln und schon gar nichts auszugraben und mit nach Hause zu nehmen!!!! :wink: :wink: :wink:

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Die Wege sind oft so angelegt, das man die Pflanzen auch aus nächster Nähe betrachten kann. :jubel: :jubel:

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Beim Internationalen Wandertag letzten Jahres in Eisenach hatte ich mich mit einer Bekannten auch über meinen Wunsch bezüglich mal in Natura den Frauenschuh zu sehen, unterhalten. Von ihr bekam ich den Hinweis das in der Nähe von Meiningen auch ein Vorkommen wäre. So ergab es sich ein paar Tage später nach der Wanderung in Jena das wir bei einer Werratalradtour durch Meiningen kamen. So sind wir kurzerhand mal auf die Touristinfo gefahren und haben einfach mal gefragt. Dort machte man und dann mit einem der Stadtführer, dem Herrn Thrähardt bekannt. Dieser nette Herr lud uns ein paar Tage später zu einer Privatführung rund um Meiningen ein. In der Nähe von Sülzfeld zeigte er uns dann einen Standort, der den von Nennsdorf dann noch um einiges übertraf. Das Areal ist aus Schutzgründen allerdings eingezäunt und erstreckt sich über mehrere hundert Meter. Ich schätzte bestimmt mehrere Tausend Exemplare. Nur das Fotografieren war etwas schwierig wegen den Lichtverhältnissen an diesem Tag.

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Und einen weiteren Hinweis hatte ich auch noch bekommen, zusätzlich hatte ich im Netz auch noch eineige Infos erforscht. Sie betrafen den kleinen Ort Großkochberg. Am 21. Mai machten wir uns dann auf den Weg dort hin. Vergleichbar mit Meiningen gab es dort auch viele blühende Exemplare und der Wanderweg führte mitten durch das Vorkommen. Einfach gigantisch diese Blütenpracht so hautnah zu erleben.

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Ist das nicht eine wundervolle Blume??

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Mittlerweile hatte ich mächtig Blut geleckt und darauf hin haben wir uns im Fachhandel das Buch "Orchideen Wanderungen in Thüringen" besorgt. Und so blieb es nicht bei diesen Ausflügen. Es kamen im Laufe des Frühjahr und Sommer noch einige dazu und so werde ich in lockeren Abständen so wie es die Zeit erlaubt, die heimischen Orchideen etwas vorstellen. :wink:
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Jens Gießler
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 18.11.2018 17:30

Hallo Freunde!!
Ich mach mal mit der nächsten Art weiter. Heute hab ich mir eine der kleinsten und unscheinbarsten Orchideen ausgesucht. Die Korallenwurz (Corallorhiza trifida). Ich hab sie nur im Leutratal gesehen. Und ganz ehrlich? Wenn sie uns die Damen und Herren vom NABU nicht gezeigt hätten, ich hätte diese Pflanze nie als eine Orchidee identifiziert. Und das ist nicht die einzige. Ich bin mir sicher, das viele von euch schon einige Orchideen gesehen haben, sie als solche aber nicht erkannt haben...... :mrgreen:

Hier mal zwei Fotos vn der Korallenwurz. Anhand der Größe der Buchenblätter kann man ungefähr abschätzen wie klein die doch sind.

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Und wenn wir schon bei Kuriositäten sind gleich noch eine weitere, die Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis). Auch diese Orchidee kommt wie die Korallenwurz hauptsächlich in Buchenwäldern vor. Man mußte sie nicht lange suchen, meißt stehen sie direkt am Wegrand oder nicht weit davon entfernt. Ich hab sie an vielen Standorten gefunden, so im Leutratal, Großkochberg, Reurieth, Sülzfeld, Hörselberg und sogar in Trusetal in einem Wald wo ich sonst immer meine Pilze suche.

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Und hier mal die Blüte in einer Detailaufnahme

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Fortsetzung folgt. :wink:
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 18.11.2018 17:31

Hallo Allerseits!!
Dann stell ich euch mal die nächste Gattung vor, die Waldvögelein. Da gibt es drei Stück davon. Das erste ist das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium). Es ist eine der häufigsten Orchideen in Thüringen, sie kommt an sehr vielen Standorten vor oft in Gemeinschaft mit dem Vogelnestwurz ebenfalls in Buchenwäldern. Ich hatte meine erste Begegnung mit ihr im Leutratal, damals noch als frisch ausgetriebene Pflanze ohne Blütenansatz. Gefunden haben wir es unter anderem in Trusetal, Altenstein, auf dem Rennsteig, Mühlberg, Jena und noch einigen weiteren Stellen

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Meine ersten blühenden Exemplare haben wir in Großkochberg gefunden. Interessant ist, das die meißten erst gar nicht aufblühen, da sich die Blüte selbstbestäubt.

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Schöner, dafür auch seltener ist das Rote Waldvögelein (Cephalanthera rubra), es kommt auf Wiesen und Waldrändern vor, so haben wir es im Leutratal, Reurieth und in Trusetal am Klärteich gefunden, was mich besonders gefreut hat.

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Dann gibt es noch eine dritte Art, das Langblättrige Waldvögelein , das haben wir allerdings erst gefunden, nach dem es abgeblüht war. Das kommt nur sehr selten in Thüringen vor und uns ist nur ein Standort bei Ifta bekannt. Das heben wir uns für das nächste Jahr auf. :wink:
Zuletzt geändert von Jens Gießler am 27.12.2018 12:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 18.11.2018 17:32

Einen wunderschönen Guten Abend!
Ich stell euch mal die nächste Gattung vor, die Zweiblätter. Wie der Name schon sagt, hat es nur zwei Blätter und es gibt hier bei uns in Thüringen zwei davon, das Große Zweiblatt (Listera ovata) Es ist noch relativ häufig und ich hatte meine erste Begegnung wiederum im Leutratal.

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Hier mal die unscheinbaren Blüten etwas größer, sie begannen damals sich gerade zu öffnen.

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Zu unserer großen Freude haben wir in Trusetal am ehemaligen Klärteich auch eines entdeckt

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Wir haben sie noch an vielen weiteren Orten gefunden, so in Großkochberg, Nennsdorf, Alte Warth oder auch in Wiesental. Am Hörselberg konnte ich diese Gruppe fotografieren.

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Das zweite ist das Kleine Zweiblatt (Listera cordata). Es ist allerdings im Gegensatz zum Großen Zweiblatt sehr selten und es gibt wahrscheinlich nur ein Vorkommen in Thüringen und ich möchte den genauen Standort auch nicht nennen.

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Hier mal ein blühendes Exemplar und wenn man die Größe mit den Blättern der Heidelbeere vergleicht, kann man ungefähr erahnen wie groß es ist.

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Und hier mal die winzigen Blüten etwas größer

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Zuletzt geändert von Jens Gießler am 27.12.2018 12:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 18.11.2018 17:33

Hallo ihr lieben Biologiefreunde!!
Zwei neue Orchideen möchte ich euch heute wieder vorstellen. Zum ersten die Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum). Wir haben sie dieses Jahr nur an einem Standort gefunden und zwar auch wieder im Leutratal. Bei unserem ersten Besuch zeigten sich die ersten Knospen.

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Ein paar Tage später konnte ich sie dann auch in voller Blüte fotografieren. Auch hier noch einmal der Hinweis, es gab eine ganze Reihe Pflanzen, die weitaus prachtvoller blühten. Da man jedoch die Wiesenflächen nicht betreten sollte, war es nicht immer möglich diese auch zu fotografieren, oder andersherum gesagt, die gut zu fotografierenden Exemplare waren nicht immer die prächtigsten. ;)

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Beim durchschauen meiner Fotos der letzten Jahre entdeckte ich, das ich vor paar Jahren mal eine abgeblühte Bocksriemenzunge bei Möhra fotografiert hatte. Leider war dieses Jahr kein Exemplar dort zu finden, das kann aber auch an dem sehr trockenen Frühjahr gelegen haben.

Die zweite heute im Bunde ist der Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea). Diese schöne und auch imposante Orchidee ist noch recht häufig anzutreffen. So fanden wir doch schon größere Vorkommen unter anderem in Großkochberg, Nennsdorf, Reurieth, Ifta, Treffurt, Wiesenthal, bei mir zu Hause in Trusetal und auf der Alten Warth. Die ersten knospigen Exemplare wiederum im Leutratal oder so wie hier in Reurieth.

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Schon etwas weiter entwickelt waren sie dann in Großkochberg

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Bei einem weiteren Besuch im Leutratal waren sie dann in voller Blüte

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Ich hatte es ja schon erwähnt, auf der Alten Warth bei Gumpelstadt fanden wir auch eine ganze Menge von dieser schönen Pflanze. Einigen von euch, die auch schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, mag der Name "Alte Warth" noch ein Begriff sein. Zu DDR Zeiten befand sich dort eine international bekannte Moto und Autocross Strecke. Der Name "Hang der Nationen" ist für die damaligen Besucher bestimmt immer noch ein Begriff. Und genau dort, die Rennstrecke gibt es seit der Wende nicht mehr, hat sich ein wahres Refugium für Pflanzenfreunde gebildet. Bei etwas genauerem Hinsehen und mit etwas Erinnerung kann man den ehemaligen Streckenverlauf noch erkennen. Und so kommt es nicht selten vor, das dort wo vor 30 Jahren noch Motoren knatterten heute wunderschöne Orchideen blühen, so wie auf dem nächsten Foto. Und das kommt nich von ungefähr, denn Orchideen sind Pionierpflanzen!!

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Bis zum nächsten Mal in unserer kleinen Biologiestunde. :wink:
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 20.11.2018 18:21

Ihr Lieben!!
Dann stell ich euch mal die nächste Gattung vor, die Kuckucksblume. Von ihr gibt es z.Z. in Thüringen drei heimische Arten. Die erste wäre die Fuchssche Kuckucksblume (Dactylorhiza fuchsii).

Das erste Exemplar konnte ich im knospigen Zustand am Hörselberg in diesem Jahr fotografieren. Charakteristisch sind die schmalen gefleckten Blätter.

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Weitere Standorte sind der Klärteich bei mir in Trusetal, hier mal eine Blüte etwas im Detail.

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Aber auch bei Wiesenthal ist ein Standort und direkt am Bergsee Ebertswiese ist auch ein größeres Vorkommen, so wie auf den nächsten beiden Fotos zu sehen. Dort mußte ich leider feststellen, das die Kollegen vom Bauhof Seligenthal entweder gar keine Ahnung von den dort wachsenden Blumen haben oder die Gemeinde in Bezug auf Naturschutz so gar nichts am Hut hat. Jedenfalls war ein paar Tage später der gesamte Bestand der Blumen einfach abgemäht!! :hammer: :hammer:

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Die zweite Vertreterin dieser Gattung ist die Breitblättrige Kuckucksblume (Dactylorhiza majalis). Auch diese wunderschöne Orchidee konnte ich an mehreren Stellen fotografieren. Die ersten Bilder entstanden bei Sülzfeld.

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Auch sie hat diese schönen gefleckten Blätter, doch diese Orchidee wächst im Gegensatz zur Fuchsschen Kuckucksblume häufig auf Feuchtwiesen.

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Zwischen Immelborn und Hauenhof ist ein recht großes Vorkommen.

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Auch auf der Alten Warth gibt es diese Orchidee.

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Im Oberen Vessertal bei Schmiedefeld kann man sie auch entdecken.

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Das waren alles Standorte die nicht im Orchideenführer aufgelistet sind und die wir selber gesucht bzw. gefunden haben. Selbst auf den Feuchtwiesen zwischen Brotterode und dem Inselsberg haben wir diese Orchidee entdeckt.

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Die dritte im Bunde wäre dann die Steifblättrige Kuckucksblume (Dactylorhiza incarnata). Diese haben wir dieses Jahr noch nicht gefunden, davon gibt es laut unserem Buch einen Standort, den wir noch nicht geschafft haben. ;)
Zuletzt geändert von Jens Gießler am 27.12.2018 12:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 21.11.2018 19:17

Hallo ihr Lieben Orchideenfreunde, oder ihr, die ihr es vielleicht noch werden wollt!! ;)

Zeit euch die nächste Gattung vorzustellen, die Ragwurze. Auch hier gibt es mehrere Arten, von denen 4 hier in Thüringen heimisch sind. Zwei von ihnen hab ich dieses Jahr gefunden und fotografieren können.
Die erste war die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera). Unsere erste Begegnung hatten wir wiederum im Leutratal.

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Außerdem konnten wir sie an noch drei weiteren Standorten beobachten, am Hörselberg, in Reurieth und bei Sülzfeld. Diese Orchidee ist sehr unscheinbar und oft im Gras versteckt und daher oft sehr schwer zu entdecken.

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Zwar nicht größer, aber von den Farben her etwas auffälliger ist die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera). Auch sie entdeckten wir zum ersten Mal im Leutratal. Da sie doch etwas seltener als die Fliegen-Ragwurz ist, war die Freude bei ihr um so größer. Aber auch diese Blüten sind im Gras äußerst schwer zu finden.

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Noch größere Freude herrschte, als wir bei uns in Trusetal am Klärteich auch drei Exemplare entdeckten. Auf dem nächsten Bild ist der Standort, ungefähr in der Mitte des Bildes ist ein Exemplar. So kann man sich etwa vorstellen, wie schwierig es ist sie überhaupt zu entdecken.

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Hier mal etwas größer. Auf dem Foto sind auch noch zwei andere Orchideen mit zu sehen, die schon beschriebene Fuchsche Kuckucksblume und eine Orchidee zu der ich noch später kommen werde.

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Und zum Schluß noch mal eine Blüte etwas größer

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Weiterhin gibt es noch zwei Vertreter dieser Gattung, die wir leider noch nicht entdeckt haben, zum einen die Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola) und die Spinnen Ragwurz (Ophrys sphegodes). Auch wieder Stoff für das nächste Jahr. :mrgreen:
Zuletzt geändert von Jens Gießler am 27.12.2018 12:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Sven » 22.11.2018 07:19

Hallo Jens, :gaehn:

sehr schön! :yup:
Ich habe die anderen, nun leeren Beiträge aus dem "Jens-Erlebnis-Thread" gelöscht. :!: :D

Viele Grüße und weitermachen
Sven :kaffee: :wink:
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 23.11.2018 19:40

Hallo Ihr Lieben Naturforscher!!

Danke Sven...... :yup:

So, dann stell ich euch mal die nächsten vor, heute geht es um die Gattung der Stendelwurz. Davon gibt es acht Vertreterinnen in Thüringen, fünf davon haben wir dieses Jahr gefunden.
Beginnen wir der Reihe nach. Die erste, die blüht ist die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris). Ich hab sie dieses Jahr an drei Standorten gefunden, auf der Alten Warth, in Wiesenthal und bei mir zu Hause am Klärteich. Dort waren bestimmt über Tausend Exemplare.

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Als nächstes blühte die Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens). Diese Orchidee hat ein noch größeres Verbreitungsgebiet, kommt dann aber nur in kleineren Gruppen vor. Wir fanden sie unter anderem im Leutratal, Großkochberg, Hörselberg, Ifta, Ebertswiese, Reurieth, Wiesenthal, Sülzfeld und ober in Oberhof im Rennsteiggarten.

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Danach blühte dann die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine). Die haben wir auf der Ebertswiese, in Wiesenthal, Ifta, Treffurt, Altenstein und wiederum bei mir am Klärteich gefunden.

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Und am Hörselberg, am Nordhang fanden wir noch zwei Arten, die schon abgeblühte Schmallippige Stendelwurz (Epipactis leptochila)

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und die letzte im Bunde, die Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata)

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Weiterhin gibt es noch die Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla), Müllers Stendelwurz (Epipactis muelleri) und die Übersehene Stendelwurz (Epipactis neglecta). Wiederum Ansporn für das nächste Jahr.
Noch eine weitere Gattung möchte ich heute vorstellen, die Waldhyazinte. Auch hiervon gibt es bei uns in Thüringen zwei Vertreterinnen, zum einen die Grünliche Waldhyazinte (Platanthera chlorantha). Sie entdeckten wir auch zum ersten Mal im Leutratal.

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Auf den dortigen Wiesen standen einige Exemplare.

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Außerdem fanden wir sie bei Sülzfeld, am Hörselberg, Großkochberg und am Mühlberg.
Hier mal ein knospiges Exemplar und die Blüte im Großformat.

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Die zweite Vertreterin, die Weiße Waldhyazinte (Platanthera bifolia) haben wir uns dann auch für nächstes Jahr aufgehoben. ;)
Zuletzt geändert von Jens Gießler am 27.12.2018 12:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die heimischen Orchideen in Thüringen

Beitrag von Jens Gießler » 24.11.2018 18:34

So Ihr Lieben Botanikfreunde!!
Da wollen wir die ganze Sache mal zum Abschluß bringen. Die wohl bekannteste Gruppe der Orchideen dürfte neben dem Frauenschuh die Knabenkräuter sein und genau die hab ich mir bis zum Schluß aufgehoben. Obwohl ein Knabenkraut die erste Orchidee war, die ich 2018 fotografiert hab. ;) Mittlerweile hat man sie wissenschaftlich allerdings in mehrere Gattungen unterteilt.

Das erste was ich euch vorstellen möchte ist das Dreizähnige Knabenkraut (Neotinea tridentata). Diese Orchidee kenn ich schon länger, da ich sie 2014 schon das erste Mal bei Waldfisch gesehen hab. Dort war ich dieses Jahr auch wieder, wo bei ich feststellen mußte, das das sehr trockene Frühjahr den Pflanzen arg zugesetzt hatte und im Vergleich zu den Jahren davor sehr viel weniger Pflanzen blühten. Trotzdem sind einige schöne Aufnahmen entstanden. Den zweite Standort hab ich dieses Jahr neu entdeckt, der befindet sich auf der Alten Warth. Außerdem gibt es laut dem Orchideenführer noch weitere Standorte in Thüringen. Diese Orchidee wächst auf trockenen Magerwiesen, wie hier auf dem Fotos zu sehen ist.

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Zu dieser Gattung zählt noch ein zweites Knabenkraut, das Brand Knabenkraut (Neotinea ustulata). Das haben wir uns auch für nächstes Jahr aufgehoben.

So und nun zu den eigentlichen Knabenkräutern, der Gattung Orchis. Hier sind in Thüringen vier Stück heimisch und jetzt zeig ich euch das erste Foto von 2018, vermutlich einem Helm Knabenkraut (Orchis militaris).

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Die zweite Vertreterin ist das Purpur Knabenkraut (Orchis purpurea).

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Und vermutlich Helm Knabenkraut deshalb, weil es hier Hybriden zwischen diesen beiden Arten gibt und man sie teilweise sehr schlecht unterscheiden kann, zumindest für den Laien. ;) Deshalb werde ich euch die Fotos in loser Reihenfolge zeigen, wie ich sie aufgenommen hab und versucht einfach mal selbst sie zu unterscheiden. :wink:

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Ich mußte jetzt einfach mal ein größere Auswahl an Fotos zeigen, so kann man ungefähr erahnen, was für ein Feuerwerk an prächtigen Blüten dort jedes Jahr im Frühjahr abgeht. Alle bis hier jetzt gezeigten Fotos dieser beiden Knabenkräuter entstanden im Leutratal. Es gibt natürlich noch weitere Standorte in Thüringen, so konnte ich dieses beiden Arten noch in Großkochberg und am Hörselberg fotografieren, wie auf den nächsten Fotos zu sehen ist.

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Nun zur dritten Vertreterin, dem Stattlichen Knabenkraut (Orchis mascula), wovon es eine etwas größeres Vorkommen am Hörselberg gibt.

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Ein ganz kleines Vorkommen von nur wenigen Exemplaren ist bei Sülzfeld

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Und auch am Mühlberg haben wir ein paar ganz wenigen Exemplare gefunden.

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Tja und nun zum Abschluß bringen möchte ich meinen Fotobericht vom Orchideenjahr 2018 mit der am zeitigsten blühenden Orchidee in Thüringen. Es nennt sich Blasses Knabenkraut (Orchis pallens). Blühend hab ich es nur bei Sülzfeld von dem netten Herrn Thränhard gezeigt bekommen. Es soll aber noch ein paar Standorte in Thüringen geben, die heben wir uns dann auch wieder für die Zukunft auf. Wie gesagt, da es sich hierbei um die erste Orchidee handelt, die in Thüringen im Frühjahr zu blühen beginnt, hatten sie bei unserem Besuch im Mai schon die besten Tage hinter sich.... :(

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Am Mühlberg entdeckten wir dann später auch noch abgeblühte Exemplare, aber ganz sicher kann man es eben nur bestimmen, wenn sie blühen oder man gräbt sie aus. Aber das macht man ja auf gar keien Fall :motz: :motz: :motz: , da wartet man lieber auf das nächste Jahr. :mrgreen: :mrgreen:

So Ihr Lieben, damit schließ ich meine Fotoreportage vom Jahr 2018 ab. Ich hoffe, euch haben die Bilder gefallen und ich konnte euch an meiner Freude an dieser schönen Blume teilhaben lassen und euch die Welt der heimischen Orchideen ein klein wenig näher bringen. :roll:
Nicht vergessen möchte ich auch zu erwähnen, das nicht alle unsere Ausflüge immer von "Erfolg" gekröhnt waren. So mußten wir ein paar mal auch traurig die Heimreise wieder antreten, unter anderem haben wir das Kriechende Netzblatt (Goodyera repens), die Einknollige Honigorchis (Herminium monorchis) und die Herbst Wendelorchis (Spiranthes spiralis) nicht gefunden. Das kann zum einen daran gelegen haben, das wir sie einfach nicht gesehen haben, zum anderen das sie aufgrund der Trockenheit dieses Jahr nicht geblüht haben oder das sie einfach verschwunden sind. Orchideen sind ganz spezielle Pflanzen, die erst gedeihenn wenn mehrere spezielle Umstände genau aufeinander abgestimmt sind, die ganz spezielle Ansprüche für ihr Wachstum stellen. Kommt es ih ihrem Umfeld schon zu kleinsten Veränderungen, kann das zum langsamen oder auch schnellen Verschwinden ihres Vorkommens führen genau wie im positiven Fall zum Auftreten an neuen Standorten, wie ich es bei uns am ehemaligen Klärteich der Erz und Spataufbereitung am ehemaligen Bahnhof Auwallenburg derzeit erleben darf. :jubel: :jubel: :jubel: . Ja, die Welt der Orchideen ist einer ständigen Veränderung unterworfen.
Also dann, bis zum nächsten Jahr!!! :wink: :wink: :wink:
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